Während der Fußball-EM 2024 war ein Motorrad-Polizist ums Leben gekommen – angefahren durch eine Autofahrerin. War es ein Fahrfehler der zur Tatzeit 69-Jährigen? Das ist die Sicht der Staatsanwaltschaft. Oder hat die Polizei eine Kreuzung in Degerloch nicht ausreichend abgesperrt? Letzteres ist die Sicht der Frau und ihrer Verteidiger gewesen.
Vor ihr sollen mehrere Autos gestanden haben, die bei Grün zeigender Ampel nicht losgefahren sein sollen. Sie soll auf der zweiten Abbiegespur an den Wartenden vorbeigefahren sein und dabei das Motorrad des 61-Jährigen erfasst haben, so der Vorwurf der Anklage. Es wurde gegen das Motorrad eines anderen Beamten geschleudert, der auf der Kreuzung stand, um diese abzusichern. Der zweite Beamte erlitt schwere Verletzungen.
Das Amtsgericht verurteilte die Frau im Dezember 2025 zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten. Sie hatte bei der Urteilsverkündung einen denkwürdigen Auftritt: „Ich habe keinen Fehler begangen“, sagte sie. Eine Absperrung habe sie nicht gesehen. Die Beweisaufnahme des Amtsgerichts ergab, dass die Absperrung ausreichend gewesen sein soll.
